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Schloss Solitude, was für ein Ambiente für den schönsten Tag des Lebens. Hochzeitspaare lassen sich von Hochzeitsfotografen ablichten, um den besonderen Moment zu konservieren als Beweis für ein späteres ‚Ja, so war es!’ Doch der Moment ist ebenso inszeniert wie die Zerwürfnisse, die Maximilian Moll im Stil einer Reality-TV-Serie der Idylle entgegensetzt. burst – vor glück platzen (2002) wirft die Erinnerungen durcheinander wie Fotos in einem Schuhkarton, zerschneidet und seziert sie und konstatiert den Verlust des Authentischen.

Geschichte besteht aus überlieferten Dokumenten. Und ohne Dokumente gibt es auch nichts Historisches. Seine eigene Geschichte in Stücke zu reißen, Dokumente zu verbrennen, Fotos zu zerfetzen, das sind kühl kalkulierte oder auch sehr emotionale Akte, die im Leben, aber vor allem im Kino an der Tagesordnung sind. Dort sehen wir zu, wie ein Ganove belastendes Material verschwinden lässt oder eine enttäuschte Geliebte das Bild ihres Lovers vernichtet, das Hochzeitsbild in zwei Teile zerreisst. Wenn es zum Äußersten kommt, beginnt in den Leinwandgeschichten die Auslöschung jener Beweisstücke der eigenen Vergangenheit, an denen die Helden besonders hingen. Und wir werden im Dunkel des Kinosaals Zeugen, denn diese Auslöschungen sind auf Film gebannt, konserviert, eingefroren.

Großstadtverkehrs.


Boris von Brauchitsch